Stimmen von Zeitgenossen und Biographen

Ich bin vor allem in Holland und Flandern gewesen, um unsere Malerei zu sehen: Aber ich habe wirklich kein Werk gefunden, das so viel von den Italienern aufgenommen hat, wie das dieses Deutschen: Ich bitte Euch, sein Werk in allergrößter Wertschätzung zu halten.

Jan Brueghel d.Ä. an Kardinal Federico Borromeo, 1596

 

Nach Rom gekommen, fing er an, auf Kupferplatten zu malen, wie es die Niederländer tun, doch nicht wie die gewöhnlichen Gesellen, vielmehr machte er sich daran, diverse Dinge zu erfinden. (...) Er kam schließlich nach Venedig, wo er eine Venezianerin heiratete und eine Menge hübscher Sachen auf Kupfer malte, teils großen, teils kleinen Formats, die in viele Länder verstreut sind und bei den Kunstkennern zu sehen sind, (...) so dass er, dessen Bilder von den Kennern geschätzt werden, es auch verdient, mit seinem Namen unter den kunstreichen Malern aufgeführt zu werden.

Carel van Mander, Het Schilder-Boek, Haarlem 1604

 

Alhie in Augsburg haben wir fürtreffliche mahler, under andern den berhümten Rotenhaimer welchen die mahler wegen seiner kunst für Ihren vatter halten. der malet jetzt ein Jungstes gericht in die kirchen zum kreuz dafür bezahlt man Ihme 2.000 Thaler und macht er nit vil umb 200 Thaler, waß Er aber macht dass hat Händt und Füeß, und wirt nach seinem todt 2 mahl sovil wert sein, er hat angefrembte arbeit von Fürsten und herrn, von etlich Jahr hero, die Er vor stetem trinckhen nit verfertiget, und ist die ursach dass Ihn niemandt treibet.

Philipp Hainhofer an Herzog Philipp II. von Pommern, Augsburg 1610

 

Für Kaiser Rudolf II. malte er die Götter an einem Tisch, reichhaltig ausgestattet mit Speisen und Getränken, Vasen und anderen prächtigen Ornamenten; für das schöne Werk bekam er 500 Scudi, und damit stieg sein Ansehen (denn die von Annehmlichkeiten begleitete Tugend findet in der ignoranten Welt Anerkennung). Von da aus eröffneten sich ihm viele Gelegenheiten, und einige Herren ließen sich Figuren auf Kupfer malen, um sie daraufhin zu Paul Bril nach Rom zu schicken, damit dieser die Landschaft mache. Auf diese Art habe ich zu Verona in der Sammlung der Signori Muselli einen sehr anmutigen Nymphenreigen gesehen, der vom Herzog Ferdinando von Mantua gegen ein Büchlein mit Zeichnungen des Parmigiano eingetauscht wurde. Die Muselli besitzen auch von derselben Hand im kleinen Format eine Hochzeit zu Kana, wo der Erlöser am Kopf des Tisches sitzt und sich mit der Mutter unterhält, neben vielen Gästen, unter denen man liebenswerte Gesichter von Damen bewundert, dazu Musikanten und Bläser und andere weiter entfernt Sitzende, die vergnügt an einem anderen Tisch speisen.

Carlo Ridolfi, Maraviglie dell’Arte, Venedig 1648

 

Obwolen er nun durch so viele herrliche Werke in Oelfarben und in fresco eine große Summa Gelds von Kaysern, Königen und andern großen Liebhabern verdienet, so haben doch solche Mittel bey ihme nichts entsprießen wollen, dann er alles gar bald verzehret, und immerzu in großer Dürfigkeit gelebt, wie dann von seinen Bekandten für gewiß erzehlet worden: dass er in die 80.000 Gulden verdient, hingegen in die 82.000 verzehrt, also jederzeit mehr verthan als gewonnen, so gar, dass nach seinem Ableiben die gute Bekannte zusammen gelegt haben, damit er zur Erde hat mögen bestattet werden. Andere bedaurliche Sachen, die von disem fürtreflichen Mann möchten erzehlet werden, gehen wir mit Stillschweigen vorbey, damit sein großer Kunst-Ruhm, durch einen so unregulirten Lebenswandel nicht gar bey der Nach-Welt verdunkelt werden möchte.

Joachim von Sandrart, Teutsche Academie der Bau-, Bild- und Mahlerey-Künste,
Nürnberg 1675-80

 

 

Lucas Kilian, Bildnis Hans Rottenhammer,

Kunsthalle Hamburg