Die Ausstellung

 

 

München, Rom, Venedig, Augsburg – so lesen sich die Lebensstationen des Malers Hans Rottenhammer, der 1564 in München geboren wurde. Nach der Lehre beim Münchner Hofmaler Hans Donauer ging er, wie viele ambitionierte junge Künstler seiner Zeit, 1589 nach Italien. Zuerst nach Venedig, um sich von den Meistern der venezianischen Schule inspirieren zu lassen, dann 1594 nach Rom, wo das Zeichnen im Vordergrund stand. Die antiken Skulpturen boten Rottenhammer ebenso Gelegenheit dazu, wie die berühmte Accademia di San Luca, wo insbesondere das Zeichnen mit schwarzer Kreide und Rötel gelehrt wurde.

Hans Rottenhammer, Venus, Mars und Vulkan, Rijksmuseum Amsterdam

In Rom machte Rottenhammer als Figurenmaler auf sich aufmerksam und lernte die Flamen Paul Bril und Jan Brueghel d.Ä. kennen, beides etablierte Künstler, die einen fähigen Figurenmaler für ihre kleinformatigen Landschaften auf Kupfer suchten. Die Zusammenarbeit mit Paul Bril und Jan Brueghel, ging weit über ihre gemeinsame Zeit in Rom hinaus.
Trotz seiner Erfolge kehrte Rottenhammer 1595 nach Venedig zurück, um sich dort mit einer eigenen Werkstatt für kleinformatige Malerei auf Kupfer zu etablieren. Ein Jahr später heiratete er die Venezianerin Elisabetta de Fabris. Hans Rottenhammer stand im Zenit seines Schaffens.

Hans Rottenhammer und Jan Brueghel d.Ä., Diana und Aktäon
Staatsgalerie Stuttgart

Rottenhammers Gemälde zeichnen sich aus durch elegante Figuren mit sinnlich-erotischer Ausstrahlung. Sie bestechen durch ihre ausgewogene Komposition, ein meisterhaftes Kolorit und die Ausarbeitung bis ins feinste Detail.
Rottenhammers Erfolgsrezept bestand darin, bekannte Motive der venezianischen Schule der Malerei zu übernehmen, neu zu arrangieren und ins kleine Format zu übersetzen. Die kostbaren Sammlerstücke – leicht zu handhaben und exquisit in der Ausführung – waren auf dem expandierenden europäischen Kunstmarkt um 1600 äußerst begehrt.

Hans Rottenhammer, Göttermahl, Staatliche Eremitage St. Petersburg

Zunehmende Aufträge aus dem Norden, so auch vom Grafen Ernst von Holstein-Schaumburg, der 1605 Deckenbilder für den Goldenen Saal von Schloss Bückeburg bestellte, dürften den Maler bewogen haben, sich 1606 in Augsburg niederzulassen. Sein klangvoller Name sicherte ihm prominente Aufträge für Augsburger und Münchner Kirchen. Die Fugger gehörten ebenso zu seinen Auftraggebern wie Herzog Maximilian von Bayern. Rottenhammers Augsburger Zeit stand allerdings im Zeichen des persönlichen Niedergangs. Der übermäßige Alkoholgenuss beeinträchtigte mehr und mehr seine Arbeit, die zeitweise zum Erliegen kam. 1625 verstarb Rottenhammer verarmt in Augsburg.

Hans Rottenhammer, Heimsuchung, Germanisches Nationalmuseum Nürnberg

Mit rund 100 Werken vermittelt die Ausstellung ein faszinierendes Bild von Rottenhammers Werk und seiner Epoche. 40 Leihgeber aus zehn europäischen Ländern tragen zum Gelingen bei, darunter sind die Staatliche Eremitage St. Petersburg, das Kunsthistorische Museum Wien, das Muséedu Petit Palais Paris, das Fitzwilliam Museum Cambridge, die National Gallery London, die Pinacoteca Ambrosiana Mailand, das Rijksmuseum Amsterdam die Königlich Belgischen Museen Brüssel, die Alte Pinakothek München, die Staatlichen Museen Dresden und private Sammler.

Hans Rottenhammer, Vanitas mundi, Staatsgalerie Stuttgart
Hans Rottenhammer, Tarquinius und Lukretia, Kupferstichkabinett Dresden
Hans Rottenhammer, Bacchus, Rijksprentenkabinet Amsterdam

Den Besucher erwartet ein Reigen ausgewählter Höhepunkte. Vieles ist erstmalig zu sehen. Nahezu alle Schlüsselwerke des Malers sind vertreten: So das berühmte Göttermahl, das einst wohl zur Sammlung Kaiser Rudolfs II. auf dem Prager Hradschin zählte, und die in Rom gemalte Marienkrönung, mit der Rottenhammer bekannt wurde. Die Ausstellung gab den Impuls zur Restaurierung von sechs Gemälden des Malers. Werke seines Schülers Hendrick van Balen geben neben solchen von Jan Brueghel und Paul Bril einen repräsentativen Einblick in Rottenhammers europäischen Einfluss.

Inszenierung und Dramaturgie der Ausstellung wurde vom Theaterlabor Bielefeld konzipiert.
Ergänzt und bereichert wird die Schau durch Arbeiten der Lemgoer Bildungseinrichtungen Bürgermeister-Gräfer-Realschule, Engelbert-Kämpüfer-Gymnasium, Karla-Raveh-Gesamtschule, Marianne-Weber-Gymnasium, Lüttfeld Berufskolleg, Jugendzentrum Haus am Wall sowie Kooperationen mit der Musikburg Sternberg und der Hochschule Ostwestfalen-Lippe.